Parese

​Die meisten Menschen kennen das Gefühl, wenn die Finger taub werden oder das Bein „einschläft“. Kribbeln und Taubheitsgefühle gehören zu den alltäglichen Sensibilitätsstörungen unseres Lebens.

Wer länger in einer bestimmten Position verharrt, z.B. mit angezogenen Beinen dasitzt, dem „schlafen“ die Beine irgendwann ein. Wird das Bein wieder bewegt, verschwindet das unangenehme Gefühl nach einer Weile wieder.

Doch was ist wenn dieses kribbelige Taubheitsgefühle nicht nur von kurzer Dauer sind? Dann spricht man von einer so genannten Parese.

Was genau ist eine Parese?

Als Parese bezeichnet man Störungen der Motorik, die durch die Lähmung einzelner Muskeln bzw. Muskelgruppen der Extremitäten oder des Rumpfes hervorgerufen werden. Werden Nerven geschädigt, z.B. durch Verletzungen oder Erkrankungen, ist die Kommunikation zwischen Muskulatur, Gehirn und Nerven nicht mehr voll funktionstüchtig. Die Folge davon sind Empfindungs- und Bewegungsstörungen im jeweiligen Körperteil. Diese Lähmungserscheinungen bezeichnet man als Parese.

Die Parese wird häufig auch als unvollständige Lähmung bezeichnet - während eine vollständige (motorische) Lähmung als Paralyse oder Plegie definiert wird.

Welche Formen der Parese gibt es?

Es gibt mehrere Formen der Parese. So betrifft eine Monoparese jeweils nur ein Bein oder einen Arm. Als Diparese bezeichnet man die unvollständige Lähmung von zwei Gliedmaßen. Die Tetraparese ist gekennzeichnet durch eine Bewegungsunfähigkeit beider Arme und beider Beine. Eine Hemiparese beschreibt die halbseitige Lähmung des gesamten Körpers.

Eine Hemiparese geht oft auf eine Hirnschädigungen zurück, die Tetraparese weist dagegen auf Schädigungen im Bereich des Rückenmarks hin.

Eine weitere Unterscheidung wird zwischen einer schlaffen Parese und einer spastischen Parese getroffen. Eine spastische Parese wird durch eine Schädigung im zentralen Nervensystem ausgelöst und geht mit erhöhtem Muskeltonus und Muskeleigenreflexen und Störungen der Feinmotorik einher.

Wie lange eine Parese andauert, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Sie kann mehrere Tage oder Wochen andauern oder auch dauerhaft bestehen bleiben.

Worin liegen die Ursachen?

Die Gründe, die zu einer Parese führen, sind sehr vielfältig. Vor allem wenn Verletzungen im Bereich des Kopfes oder des Rückenmarks vorliegen, kann es zu einer Form der Parese kommen. Besonders häufig tritt sie, nach Bandscheibenvorfällen und Schlaganfällen auf.

Weitere Ursachen sind folgende:

  • Unfall
  • Nerven- oder Muskelentzündungen
  • Borreliose
  • Tumor
  • Muskelschwund
  • Multiple Sklerose
  • Migräne
  • Vergiftung
  • psychische Erkrankungen (psychogene Parese)

Wie sehen die Symptome bei einer Parese aus?

Ähnlich wie die Ursachen, können auch die Symptome einer Parese äußerst vielfältig sein. Typische Merkmale sind Missempfindungen oder Gefühlsstörungen. Betroffene spüren in Beinen, Füßen, Armen oder Händen ein Kribbeln, ein Brennen oder Taubheitsgefühle. Außerdem ist es ihnen oft nicht möglich, Berührungen, Kälte oder Hitze und Schmerz in den betroffenen Bereichen wahrzunehmen.

Zu den weiteren möglichen Symptomen einer Parese zählen:

  • Kopfschmerzen
  • Beeinträchtigungen des Sprach- oder Sehzentrums
  • Fieber
  • Übelkeit

Wie diagnostiziert man eine Parese?

Bei Empfindungsstörungen und/oder Taubheitsgefühlen sollte umgehend ein entsprechender Facharzt aufgesucht werden, um die Symptome zu untersuchen und eine ernsthafte Erkrankung auszuschließen. Zunächst wird der Patient umfangreich befragt. Sofern ein Verdacht auf Parese besteht, erfolgen weitere Untersuchungen: Neben einer Blutuntersuchung werden Muskelkraft, Reflexe, Bewegungsfähigkeit sowie das Gefühlsempfinden des Patienten genauer begutachtet.

In der Regel verordnet der behandelnde Arzt weitere bildgebende Untersuchungen, wie eine Kernspintomografie (MRT) oder eine Computertomografie (CT).

Wie wird eine Parese behandelt?

Grundsätzlich gilt: je früher mit einer Behandlung begonnen wird, um so besser ist es für den weiteren Verlauf. Die Behandlungsmethoden bei der Parese hängen jedoch stark vom Ergebnis der Diagnose ab. Ist ein Infekt die Ursache, kommen in der Regel Antibiotika zum Einsatz.

Ist ein Tumor Grund für die Parese, muss dieser durch eine OP, eine Chemo- oder Strahlentherapie entfernt werden.

Bei einer Gesichtslähmung können die Symptome nach einer Weile oft auch von allein wieder verschwinden.

Bei einigen neurologischen Erkrankungen ist die Heilung der Parese leider nicht möglich, weil die entsprechenden Nerven dauerhaft Schaden davongetragen haben. In solchen Fällen kann man jedoch durch rehabilitative und therapeutische Maßnahmen die Symptome lindern.

Grundsätzlich empfiehlt sich bei einer Parese immer Physiotherapie. Durch Massagen können gelähmte Bereiche (teilweise) wieder reaktiviert werden. Darüber hinaus können Therapieformen wie Wärmeanwendungen, Elektrobehandlungen oder Wechselbäder dabei helfen, die Muskulatur zu stärken und die generelle Beweglichkeit und Durchblutung zu fördern.